Die Stadt Zug zieht mit - Die Geschichte des Crypto Valley

Crypto Valley Pioneers Interviews · 9 Feb 2026 · 5:39

Dolfi Müller, André Wicki and Martin Würmli of the City of Zug explain how Zug became the first municipality in the world to accept bitcoin payments. The city began the pilot in 2016, letting residents pay certain municipal fees in bitcoin. The short film is part of the Crypto Valley Pioneers series, which follows the region's early days and its first crypto projects.

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From Crypto Valley Pioneers Interviews, hosted by Crypto Valley Pioneers.

Transcript

Ich war in der Stadt Zug Stadtpräsident in der Zeit, als das Thema Blockchain dann richtig aktuell war. Es war meine letzte Legislatur damals als Blockchain aufkam. Ja, da war ich im Baudepartment, und wir hatten im Stadtrat die Idee, “Bitcoin, was ist Bitcoin?” Zug wurde eine globalisierte Kleinstadt, kann man so sagen. Eigentlich offen gegenüber der Welt.

Aber im Herzen sind die Zuger immer noch recht bodenständig. So wie damals beim kleinen Städtchen am See. Und wir haben dann gefunden: “Wir müssen was anderes machen, wir müssen Zug zukunftsfähig machen.” Wir haben uns zunächst einmal ein Bild darüber gemacht, was für Unternehmen überhaupt den Zug sind. Und wir sind dann auf einzelne Personen gestossen. Das waren ein paar Herren, die sind dann hier, ich habe immer gesagt, wie ein Raumschiff von einer fernen Galaxie in Zug gelandet. Man muss sich vorstellen, diese Leute sind aus der ganzen Welt nach Zug gekommen.

Die mussten sich vertraut machen mit unserem Rechtssystem, mit unserem politischen System. Und da sind wir miteinander in Dialog getreten und haben so die verschiedenen Seiten einanderer aufgezeigt. Dann hat der jetzige Stadtpräsident einen Bekannten eingeladen, einen Studenten der Hochschule St. Gallen, der eine Bachelorarbeit geschrieben hat genau zu diesem Thema. Er hat uns das dann präsentiert: “Was sind Kryptowährungen, was ist Bitcoin?” Nach zehn Minuten bin mir vorgekommen wie in einem Boxring.

Da waren wir wirklich erschlagen. Wir sind dann Mittagessen gegengangen, die fünf Stadträte, und haben dort gesagt, “Wir akzeptieren Bitcoins zur Zahlung von Leistungen der Einwohnerkontrolle.” Nur das. Wir haben das gemacht, weil wir als Verwaltung Erfahrung sammeln wollten. “Wie können wir solche Kryptowährungen entgegennehmen? Was bedeutet das für uns?” Und dann ging der ganze Rush los. Wir erhielten PR mit einem Wert von über 20 Millionen Franken.

Wir wurden überhäuft mit Anfragen auf allen Kanälen. Das war wirklich Goldgräberstimmung. Ich glaube, wenn wir von Beginn an gewusst hätten, wie unser Entscheid von der Bedeutung eingeordnet wird, hätten wir vielleicht gar nicht den Mut gehabt, diesen Entscheid so spontan und schnell zu fällen. Von daher war es gut, dass wir ein bisschen blauäugig an dieses Thema herangegangen sind. Die Leute waren unglaublich skeptisch. Das ist etwas Neues, das ist wie künstliche Intelligenz heute oder virtuelle Realitäten. Das ist einem ungeheuer.

Weil ich ein bisschen Angst habe davor, will ich mich eben wirklich da reinknien in die Geschichte. Dann verliere ich die Angst vielleicht. Das war so mein persönlicher Antrieb. Das hat alles zusammengespielt. Einerseits, dass viele bekannte Leute oder heute bekannte Leute diese Idee aufgenommen haben im Crypto-Bereich, dass wir zur gleichen Zeit einen Studenten gehabt haben, der seine Bachelorarbeit in diesem Bereich gemacht hat und dass wir von unserer DNA auch gesagt haben, “lasst uns das angehen.” Und das eine hat das andere ergeben.

Wir haben heute im Crypto Valley, das ist Zug, Zürich, das ist Liechtenstein, Zug ist immer noch das Zentrum, da haben wir 6’000 Arbeitsplätze. Das ist ein volkswirtschaftlich gewichtiges Argument, das bringt man nicht mehr weg. Mittlerweile kann man sagen, dass in der Schweiz über 50 Prozent von allen Firmen im Bereich Kryptowährungen, sind wirklich in Zug. Selbstverständlich gibt es auch immer wieder negative Themen, wenn sich zum Beispiel eine Kryptowährung in Luft auflöst.

Aber ich glaube, das ist der Preis, den man auch bezahlen muss, wenn man in einem Pionierbereich unterwegs ist. Es ist alles neu, man muss Erfahrungen sammeln und da gibt es immer Dinge, die positiv sind und Dinge, die weniger positiv sind. Aber für mich persönlich überwiegen die positiven Dinge. Ich muss auch sagen, es war natürlich wahrscheinlich die beste Geschichte in meinen 16 Jahren als Stadtrat, die ich erlebt habe, die ich erleben durfte. Und vielleicht sind wir da ein bisschen am Puls der Zeit gewesen.

Es war ja wie ein Fenster in die Zukunft, bei dem Zug mitmachen konnte. Irgendwo war das nicht Ratio, sondern das war Bauchgefühl von uns allen im gesamten Stadtrat. “Das kann was Tolles geben. Lasst uns das mal ausprobieren.” Und ich bin schon der Überzeugung, dass mit unserer DNA das Pioniertum erst angefangen hat.