Alexander Denzler berichtet aus der Geschichte des Crypto Valley

Crypto Valley Pioneers Interviews · 12 Feb 2026 · 15:59

Alexander Denzler of the Lucerne University of Applied Sciences and Arts (HSLU) speaks about the founding of the Crypto Valley Association, the first Crypto Valley Conference, and the blockchain study programs at HSLU. HSLU lists him as a lecturer in blockchain technology and data science, and he is involved in the Crypto Valley Conference on Blockchain Technology. The interview is part of the Crypto Valley Pioneers series.

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From Crypto Valley Pioneers Interviews, hosted by Crypto Valley Pioneers.

Transcript

Mein Name ist Alexander Denzler. Ich bin hier in der Hochschule Luzern, seit ca. 6 Jahren. Ich leite bei uns das Blockchain Lab, forsche im Bereich Blockchain und darf mich dann auch jeweils im Juni mit der Crypto Valley Conference beschäftigen, beziehungsweise schon etwas vorher. Wir gleisen jeweils relativ früh auf und schauen dementsprechend, dass wir auch mit Industriepartnern dort einen Event haben und schauen, dass wir auch eine globale Ausstrahlung haben mit der Konferenz. Und zeigen: "Hey, wir machen coole Forschung hier im Crypto Valley."

und schauen dementsprechend, dass wir auch die Technologie etwas weiter vorrantreiben können, was relativ wichtig ist. Crypto Valley Conference Die Crypto Valley Conference ist ein Event, bei dem wir eigentlich alle unterschiedlichen Interessensgruppen einladen wollen, also sprich die Unternehmen, die Hochschulen, Studierende, aber auch beispielsweise Leute aus dem Government, die dann hierher kommen und sich dann zu dem Thema austauschen können, es findet sehr viel Networking statt.

Wir haben meistens ca. 1000 Teilnehmende, manchmal etwas mehr. Die haben die Möglichkeit, zum Teil auch ihre eigenen Firmen zu präsentieren. Wir haben die klassischen Präsentations-Keynote-Speakers, wir haben Masterclasses. Das ist ein etwas kleineres Setup, wo die Leute dann spezifische Fragen stellen können, weil man manchmal Angst hat, im Plenum eine spezifische Frage zu stellen. Und diese Masterclasses, 30 bis 40 Leute, da kann man auch eine sehr interessante Diskussion führen. Wir hatten und werden wieder auch akademische Publikationen haben, die da präsentiert werden von den Hochschulen.

Und natürlich ganz wichtig, gutes Essen, viel Spass und das Wichtigste von allem eine Boat-Cruise auf dem Zugersee, wo dementsprechend am Abend alle sich da auf dem Schiff auf dem Zugersee unterhalten können, mit Musik und gutem Essen, was es zu einem Wohlfühlevent für die Kryptobranche macht. Und hast du auch einen Effekt bemerkt, den diese Konferenz gehabt hat? Ja, also es ist eine sehr gute Frage. Wir hatten zum Beispiel Emin Gün Sirer, das ist einer der Gründer von Avalabs oder Avalanche. Und er war es damals, der uns geholfen hat, den akademischen Teil aufzuziehen. Damals gab es Avalabs noch nicht.

Und ich weiss noch ganz genau, nachdem er seine Präsentation hatte, hatte er eine riesige Schar von interessierten Leuten, mit denen er diskutiert hat. Und da ist ein bisschen auch diese ganze Idee aufgekommen: "Ich könnte doch so ein Protokoll machen." Und das ist sehr spannend gewesen. Wir hatten dementsprechend auch an der Konferenz, wir waren eigentlich unter den ersten, also zumindest in der Schweiz waren wir definitiv die ersten, die einen akademischen Teil drin hatten, mit Publikationen, die die Studierenden dort einreichen konnten und präsentieren konnten. Und dort hatten wir danach eben sehr spannende Professoren dabei, die jetzt mittlerweile aus dieser Crypto Valley Conference

dann auch selber eine eigene akademische Konferenz gestartet haben. Also es ist wirklich so, sehr viel ist aus dem Ganzen über die Zeit dann auch entstanden. Und das ist ja eine IEEE Konferenz, was heisst das genau? Sehr viel zu der Zeit war eigentlich hauptsächlich: "Wie mache ich ein ICO?" Und sehr viele technische Fragen waren gar nicht wirklich klar analysiert. Wir hatten gar nicht die Möglichkeit, auch tiefgründigere Diskussion zu führen, auch auf der technischen Ebene. Und für das hat sich für mich eigentlich relativ gut abgezeichnet, das könnte man mit eben einem akademischen Teil machen, weil da publiziert man Papers, die werden dann peer-reviewed durch unterschiedliche

Professoren und die zeichnen dann eigentlich etwas aus, das ist gut oder nicht gut. Und das war quasi auch unsere Möglichkeit, an der Konferenz auch einen sehr technisch-lastigen, tiefgründigen Teil beizusteuern. Und nicht eben einfach nur wieder so ein ICO-Pitch on Stage. "Mein Token ist der beste, der wird gleich durch die Decke gehen." Und das war ein bisschen so auch unser Approach. Weniger eben einfach nur Sales und Marketing, sondern wirklich halt auch: "Wir haben eine tiefgründige technische, aber auch ökonomische Diskussion."

Also wir hatten auch einen wirtschaftlichen Track, wo es dann auch eben zum Beispiel um die ganze Governance-Struktur, Tokenisation per se, Incentive-Systeme und solche Sachen ging. Es war wirklich eine guter Teil in der Konferenz. Evolution der Konferenz Also die Konferenz ist natürlich gewachsen, also wir hatten in der ersten Durchführung, gut so ein bisschen platzbedingt, glaube ich so 700-800 Teilnehmende. Mittlerweile sind wir über 1'000.

Ich würde sagen, inhaltlich haben wir uns sehr stark auch entwickelt, mehr hin zu weniger einfach nur Keynotes und einfach die Möglichkeit zu haben, spezifisch auch Q&A-Sessions mit den Rednerinnen und Rednern zu haben. In diesen Masterclasses oder auch nach der Konferenz haben wir zum Teil auch so spezifische Q&A-Sessions. Also das Ziel war wirklich ein bisschen weg von dem, einfach nur ein grosser Saal, ein Redner, und der erzählt. Und hin zu: Wir möchten die Leute eigentlich dann auch den Leuten näherbringen, dass sie spezifische Fragen stellen können und damit es auch spannende Diskussionen gibt.

Ich denke mal, 2018 ist sehr viel daraus entstanden und das wollen wir auch unbedingt weiterführen. Blockchain Lab HSLU Also die Konferenz, weil die natürlich schon akademisch aufgestellt war, hat mich dann dazu auch bewegt, natürlich noch etwas zu besprechen und zu schauen, dass wir ein Blockchain Lab gründen können. Das war dementsprechend schon in 2017. Und da haben wir diese Forschungseinheit gegründet, bei uns am Departament Informatik.

Und das war eigentlich so diese erste hochschulweite Forschungsinstanz oder das Lab, das es gab, bei dem wir dann teils mit anderen Hochschulen, aber auch einfach nur mit Industriepartnern zusammen Forschung betrieben haben. Und an der Konferenz in 2018 haben wir dementsprechend das Lab auch vorgestellt und sind dann so auch in Kontakt mit unterschiedlichen Partnern getreten. Und das Lab ist mittlerweile auch so wie die Konferenz gewachsen. Wir haben jetzt mittlerweile schon über 20 Mitarbeiternde im Lab, und wir forschen mit eben unterschiedlichen Partnern.

Wir waren beispielsweise damals mit der ETH und anderen Hochschulen in einem BFF-gefundeten Projekt, mit dem Namen 'Quartierstrom', wie kann man beispielsweise Strom, den ich auf meinem Haus produziere, meinem Nachbarn günstig verkaufen, ohne dass es über das Elektrizitätswerk geht. Ein peer-to-peer-basiertes System, das war natürlich etwas, das war ein bisschen ein Leuchtumprojekt. Wir haben damals auch die EU beraten, es war ein spezifisches Mandat, das wir gekriegt haben, um sie bei Blockchain-Fragen zu unterstützen.

Das war auch die erste Variante, die da quasi von der EU konzipiert wurde, und das ging jetzt auch weiter, also alle vier Jahre wechselt hier quasi das Setup mit den Hochschulen. Wir waren die ersten, die dabei waren. Wir haben beispielsweise auch mit der Stadt Zug das weltweit erste in-real-life getestete E-Voting- System auf Blockchain gemacht, und ich sage mal, das ist alles in dieser Zeit 2018 entstanden, und die Konferenz war einfach für uns eine gute Möglichkeit, das dann auch den Leuten zu präsentieren.

Und auch alle Interessenten dort quasi zusammenzubringen, damit man schauen kann, wie weiter, und was ist sonst noch möglich. Aktuelle Fragen in der Blockchain-Forschung Ja, also in letzter Zeit, was ich ja sehr viel gesehen habe, sind auch Fragen, die jetzt mehr hingehen zu: "Wie baue ich Systeme, wo ich ein so genanntes To-Earn-Modell drin habe, also Play-To-Earn, Participate-To-Earn Engage-To-Earn." Weil ich denke mal mit den ganzen Skandalen von Meta, Facebook und anderen Plattformen, wo einfach Daten von Leuten verkauft wurden, ohne dass sie das überhaupt durften oder konnten, ohne Consent, geht man langsam auch hin zu der Frage:

"Kann ich nicht ein Incentive dafür generieren, damit Leute ihre Daten mit mir aus Unternehmen teilen?" das kann in unterschiedlichen Bereichen sein und da hilft natürlich Blockchain sehr stark, dass man da etwas erstellen kann. Natürlich ein wichtiger Punkt ist auch diese Self-Sovereign-Identity, also wo sind meine Daten, wem gehören meine Daten, kann ich die nicht selber verwalten? Und ich sehe immer mehr Projekte, die in die Richtung gehen. Ich arbeite nebenbei auch bei der Innosuisse und bin dort auch als Experte tätig, und durch das sehe ich natürlich sehr viele Anträge, die auch von anderen Unternehmen und Hochschulen eingereicht werden.

Und da sehe ich eine sehr starke Tendenz in diese Richtung. Also es geht jetzt heute weniger darum, kann ich ein Bezahlsystem machen, weil ich glaube, die Zeit ist schon ein bisschen um, da gibt es schon Lösungen. Und jetzt geht es wirklich eigentlich um die Technologie selber, also wie kann ich bestehende Lösungen dezentralisieren, im Kontext von, wo es um Daten geht. Wie kann ich beispielsweise an mehr Daten rankommen? Wie kann man den Leuten die Möglichkeit geben, Geld damit zu verdienen, um an Daten ranzukommen oder eben auch im Gamingbereich?

Das ist da auch ein Riesenteil in Blockchain und Metaverse, das Gaming, also wie kann ich den Leuten auch Möglichkeiten geben, zum Beispiel ein Spiel zu spielen, bei dem sie nicht einfach nur eine digitale Währung haben, die dann halt, ja gut, ich habe das Spiel gespielt, ich habe meine, keine Ahnung, meine Mushrooms, meine Stars oder was auch immer. Sondern ich kann zum Beispiel das dann auch verkaufen, für echtes Geld. Und das ist auch superspannend. Es ist natürlich regulatorisch dann sehr problematisch, weil wir dann mit Random Number Generators arbeiten, und dann ist natürlich diese Glücksspiel-Thematik sehr nah, aber eben, das ist wieder genau Krypto.

Es ist Technologie, es ist der Regulatory Aspect und natürlich eben die ökonomischen Teile. Der Traum der Dezentralisierung Und wie wichtig ist denn dieser Dezentralisierungsgedanke heute? Das ist eine kritische Frage, an sich finde ich es sehr gut. Also, wenn man ganz realistisch ist, wenn man das Bitcoin-Paper liest, als ein Peer-to-Peer basiertes Bezahlsystem, dann muss man vielleicht, wenn man ganz kurz ehrlich zu sich selber ist, sagen, es ist nicht genau das geworden, was es hätte sein sollen.

Bitcoin und das, denke ich mal, wenn man jetzt wirklich ehrlich ist, ist mehr ein 'Store of Value'. Es ist so etwas wie ein digitales Gold, wo man dementsprechend mit dem primär handelt und hofft, dass der Wert raufgeht oder eben, wenn man shorted, dass es runtergeht. Aber ich denke mal, als Bezahlsystem ist Bitcoin jetzt noch nicht wirklich so das, was es hätte sein sollen. Andere Möglichkeiten gibt es, bei denen das Bezahlsystem wirklich im Vordergrund steht. Aber es ist halt immer noch dieses grosse Problem mit den Schwankungen.

Also es kann ja auch nicht sein, dass eine Währung um 80 Prozent rauf- und runtergeht innerhalb von einem Tag. Das ist einfach ein riesiges Risiko, das besteht. Klar, wir haben hier auch Stablecoins, die man täglich für das nutzen kann. Aber auch die haben so ihre Probleme, weil wir haben es gesehen mit Luna, dass das Zeug einfach nicht technisch funktioniert. Und dann geht es auf null, innerhalb von einem Tag. Also ich denke mal, hier tut sich auch viel, ich meine viele Zentralbanken, wir sehen jetzt auch, dass Zentralbanken das Thema auch aufgreifen und versuchen zu schauen, ob man nicht eine digitale Währung rausgibt, die von einer Zentralbank quasi gemanaged wird, was ich denke, ist vielleicht gar nicht so verkehrt. Weil ich denke, die Leute vertrauen eher einer

Zentralbank als einem Unternehmen, das einen Stablecoin rausbringt und vielleicht gar kein Auditing macht. Aber auch da gibt es natürlich wieder Probleme, weil, wenn man natürlich ein Bezahlsystem hat mit KYC, dann kann man theoretisch alle Trans- aktionen, die die Leute tätigen, nachvollziehen. Und das kann natürlich auch problematisch sein, Überwachungsstaat ist so ein Schlagwort, das muss man sich dann dort auch mal ein bisschen bewusst sein muss.

Denkst du denn, dass man jetzt vielleicht eher realistischer das Potenzial ansieht? Ja, ich glaube, es gab einfach ein bisschen einen Reality-Check, also ich glaube, es gab am Anfang eben, es geht sogar noch weiter zurück, also so 2014, 2015, da war wirklich halt sehr viel Anarchie, und jeder wollte irgendwas machen, und man wusste gar nicht, in welche Richtung geht das Ganze. Ich denke mal, sehr viele Leute haben auch dazu gelernt, also es waren in der Zeit mit den ICOs halt einige, die viel verdient haben, aber sehr viele, die sehr viel verloren haben. Und das hat ein bisschen mir auch diesen Reality-Check gegeben, dass man jetzt einfach ein bisschen skeptischer gegenüber Blockchain ist. Es gab auch sehr viele Diskussionen. Ich meine, es wurde alles versprochen und jetzt nicht so viel implementiert,

und das finde ich gut, also dass man ein bisschen von diesem High, dass man runterkommt und das man sich jetzt wirklich auch noch mal überlegt, das Ganze ist eine Technologie. Eine Technologie muss weiterentwickelt werden, eine Technologie hat Zyklen. Das ist bei AI nicht anders. AI ging auch rauf und runter mit den unterschiedlichen Entwicklungen und das wird bei Blockchain nicht anders sein. Und ich denke mal, das ist auch gut so, dass man jetzt ein bisschen, auch ernüchternd ist bezüglich dem. Aber dann weiss man wenigstens, was man wirklich machen kann und was einfach nur utopisch ist. Und ich denke mal, darum, das ist ganz normal, das braucht es, und das wird auch weiterhin die Leute anspornen,

dementsprechend hier weiter zu forschen und das weiterzuentwickeln. Und das soll auch so sein.